Die Voralbbahn

Die Voralbbahn

Göppingen - Bad Boll

Göppingen - Bad Boll

 

 Archiv 2006

 

Die Hohenstaufenbahn
        Göppingen - Schwäbisch Gmünd
von Michael Ott

lm Zusammenhang mit dem Bau der württembergischen, "Centralbahn" Bruchsal-Ludwigsburg-Cannstatt-Ulm-Friedrichshafen existierten bereits in der Zeit um 1850 erste Vorplanungen für ein Bahnprojekt zwischen den Tälern Fils und Rems

Vorgeschichte und Planung

Baurat Georg Morlock stellte Verbindungen von Plochingen nach Schorndorf, von Uhingen nach Lorch und von Eislingen nach Schwäbisch Gmünd (mit Tunnel durch den Asrücken bei Ottenbach) zur Diskussion. Auf Weisung der Regierung bekam schließlich die Anbindung des Remstales ab Cannstatt den Vorzug um über Aalen in Nördlingen an das Bayerische
Bahnnetz anzuknüpfen (Anm.: in Ulm besteht ein Anschluss seit 1854). Der diesbezüglich im Jahr 1861 zwischen Württemberg und Bayern geschlossene Staatsvertrag
enthielt jedoch eine Bestimmung, die Württemberg sehr nachteilig dazu verpflichtete, "innerhalb eines Zeitraumes von zwölf Jahren, vom Tage der Eröffnung der Cannstatt-Nördlinger Eisenbahn an, keinen Schienenverbund zwischen dieser und der Cannstatt-UImer Eisenbahn herzustellen oder herstellen zu lassen, durch welche die württembergische
Bahnlinie von Nördlingen bis Friedrichshafen kürzrer würde als die bayerische Linie von Nördlingen bis Lindau". Unter der Bezeichnung "Brenzbahn-Klausel" ist dieser juristisch-
findige Satz in die Eisenbahngeschichte eingegangen. Die
Strecke Cannstatt-Nördlingen wurde am 3.10.1863 in Betrieb genommen, die Sperrfrist für den Bau einer Querverbindung Fils/Remss sowie auch zwischen Aalen und Ulm (Brenzbahn) endete damit erst 1875! 1878 wurden die Planungen für eine Verbindungsstrecke zwischen Fils- und Remstal wieder
aufgenommen, wobei die Ingenieure die größte Trassierungsproblematik auf der Remsseite (Höhendifferenz
zum Schurwald) sahen. Sage und schreibe 19 (!) Varianten werden in einem Bericht des "Eisenbahn-Bureaus Fils-Remsthal" genannt, wobei das Verkehrsaufkommen der
kleinen Schurwaldgemeinde als gering eingestuft wurde: das Projekt ruhte zunächst. Auf Initiative des Comite für Erbauung einer Eisenbahn von Göppingen nach Gmünd
erfolgte 1897 eine Petition an die Stuttgarter Abgeordnetenkammer bezüglich einer Linienführung über
Rechberghausen Birenbach-Wäschenbeuren. Die Grundlage
bildeten Pläne des vom Bahnkomitee beauftragten Regierungsbaumeisters Wallersteine (Nürnberg). Der Bau von Nebenbahnen lief in Württemberg zu jener Zeit auf
Hochtouren, so dass ein Baubeschluss und die Freigabe von Finanzmitteln letztlich erst acht Jahre später( 1905) erfolgten konnte.

Bau und Streckendaten

Die Hohenstaufenbahn sollte zu einer der langwierigsten Baumaßnahmen im Lande werden. Vom ersten Spatenstich am Straßdorfer Berg (16.9.1907) bis zur Eröffnung der ersten Teilstrecke Gmünd-Wäschenbeuren (1.8.1911) mussten
zahlreiche geologische Schwierigkeiten (v.a. durch Knollenmergel verursachte Rutschungen) gemeistert werden. Aufwändige Entwässerungs- und Sicherungsmaßnahmen, Trassenänderungen und steigende Lohn-und Materialkosten warfen die ursprüngliche Kalkulation ziemlich über den Haufen (Kostenexplosion von 3,9 auf 5,8 Millione Mark). Die
Fertigstellung der Reststrecke bis Göppingen zog sich bis zum Frühjahr 1912 hin. Der Bau war in verschiedene Lose aufgeteilt, die u.a. durch die Bauunternehmungen A. Rossaro (Aalen), L. Moll (München) und Gebr. Lutz (Pochingen) betreut wurden. Durchschnittlich leisteten auf der Baustelle 400 einheimische und ausländische Arbeiter (vorwiegend Italiener) schwere und solide Handarbeit, lediglich unterstützt durch Lorenbahnen und einem Dampfbagger bei den Einschnitten. Der Oberbau bestand aus gebrauchten Schienen des Profils D (32,9 kg/m) und eisernen Schwellen,
was dem Standard einer einfachen Hauptbahn entsprach.

Streckendaten
 
Länge:
Spurweite:
Status:
Zahl der Gleise:
davon
in der Waagerechten:
in Steigungen:
stärkste Steigung:
gerade Strecken:
gekrümmte Strecken:
kleinster Kurvenradius:
tiefster Punkt:
höchster Punkt:
zugel. HG:
ab 1936 abschnittsweise:
ab 1979 abschnittweise:
 
27,24km
1.435mm
Nebenbahn
1

4.162m
23.078m
1:40 (2,5%)
12.591m
14.649m
200m
307,2m (Faurndau Nord)
444,6m (bei Maitis)
40 km/h
50 km/h
60 krn/h
 
Eröffnungsdatum:
01. August 1911 (Schwäbisch Gmünd - Wäschenbeuren)
14. Mai 1912 ( Wäschenbeuren - Göppingen)
Stilllegungsdatum:
03.06.1984 (Personenverkehr)
01.01.1986 (Güterverkehr GP-Maitis)

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Chronologie

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