Die Voralbbahn

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Göppingen - Bad Boll

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 Archiv 2003

 

Rückschneidearbeiten
EIN NEUER ZUG IM KREIS e.V.

Artikel in der Stuttgarter Zeitung vom 20.02.2003

Aktionsbündnis pflegt Biotop an Bahntrasse
Eschen zurück geschnitten

  • ESCHENBACH. Das längste Biotop im Kreis Göppingen entlang der stillgelegten Boller Bahn soll erhalten bleiben. Umweltschützer und der Verein "Ein neuer Zug im Kreis" haben sich zu einem Aktionsbündnis zusammengeschlossen.
    Von Karen Schnebeck
     
  • Der leuchtend gelbe Bagger rattert am Eschenbacher Bahnhöfle langsam die Schienen hinauf. Mit einem Schneideaufsatz entfernt das Gerät die überhängenden Äste der Obstbäume am Bahndamm. Ein paar Männer schneiden Hecken zwischen den Obstbäumen klein und stapeln das Gestrüpp entlang der Schienen auf.

    Die "Naturfreunde Göppingen", der Verein "Ein neuer Zug im Kreis" und die Bahnhofmitarbeiter der Gemeinde Eschenbach haben sich zu einem Aktionsbündnis zusammengetan. Die drei unterschiedlichen Gruppen eint ein Ziel, Schienen und Bahndämme des Boller Bähnles sollen auf keinen Fall von Gestrüpp überwuchert werden. "Hier wachsen seltene Obstbaumsorten, die in freier Landschaft fast nicht mehr zu finden sind", begründet Thilo Keierleber das Engagement der Naturschützer.

    Der alte Baumbestand diene seltenen Tier- und Insektenarten als Lebensraum. In einer Erhebung machten die Naturfreunde jüngst seltene Vogelarten wie Mönchsgrasmücke, Zilp-Zalp, Distelfink und Specht ausfindig. In den Kronen der Obstbäume hängen die unter Naturschutz stehenden Misteln. "Um die Pflanzensorten noch genauer zu bestimmen, bräuchten wir aber noch mal einen Experten vor Ort", sagt Keierleber.

    "Die Schienen sind nach wie vor befahrbar und sollen das auch bleiben", sagt Peter Blum, Vorsitzender des Vereins "Ein neuer Zug im Kreis". Blum und seine Mitstreiter bemühen sich seit Jahren, wieder Züge auf die 1994 stillgelegte Strecke zu bringen. Ihr Konzept sieht einen halbstündigen Taktverkehr mit modernen Personenzügen sowie Güterverkehr zur Holzheimer Spedition Wackler vor. Ein Konzept, das Experten, so Blum, für sinnvoll halten. "Aber die Deutsche Bahn will die Strecke nicht mehr betreiben und private Konkurrenz nicht auf die Strecke lassen", bedauert Blum.

    In Eschenbach wird das Engagement des Aktionsbündnisses gern gesehen. Die Gemeinde hat den Streckenabschnitt auf ihrer Gemarkung schon vor einigen Jahren von der Bahn AG erworben und unterstützt Natur- und Schienenfreunde bei der Arbeit. Mitarbeiter des Bauhofs helfen, Eschen zwischen den Obstbäumen abzusägen und das Holz wegzutransportieren. Das "längste Biotop im Kreis Göppingen", wie Blum und Keierleber die Strecke entlang der Schienen nennen, ist ein Technotop. Das ist ein Biotop, das auf alten Industrieanlagen entstand.

    "Die Eschen und Hecken zwischen den Obstbäumen haben die alten Bäume schon fast überwuchert", berichtet Keierleber. In zwei, drei Jahren wäre es für die Obstbäume zu spät gewesen, schätzt er. "Bis dahin hätten die Eschen sie erstickt." Damit auch andere Gemeinden erkennen, wie wertvoll die stillgelegte Bahnstrecke ist, wollen Naturschützer und Schienenfreunde im Herbst eine Mostaktion am Eschenbacher Bahnhof organisieren. "Wir planen, die Äpfel an der Strecke einzusammeln und zu vermosten", berichtet Blum. "Die Leute sollen sehen, dass die Bäume auch für etwas gut sind."

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