Die Voralbbahn

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Göppingen - Bad Boll

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 Archiv 2002

 

Voralbbahn Nachrichten vom 01.02.2002
EIN NEUER ZUG IM KREIS e.V.

Neue Chancen für Güter auf der Schiene durch MORA C?
Auch die Voralbbahn könnte durch neues Güterverkehrs-konzept profitieren

“Marktorientiertes Angebot Cargo” heißt die Zauberformel, mit der die DB Cargo AG ihren Einzelwagenverkehr im Güterverkehr wieder profitabel machen möchte. Immerhin wird bei einem Umsatz von 800 Millionen DM pro Jahr ein Verlust von 300 Millionen DM pro Jahr eingefahren. Seit Januar 2002 werden deshalb von einst etwa 2100 Güterverkehrstellen ca. 500 weniger bedient. Diese weggefallenen Güterverkehrsstellen sind teilweise von nichtbundeseigenen Eisenbahnen übernommen worden oder werden noch übernommen. Die DB Cargo kooperiert also verstärkt mit ihren Wettbewerbern im Güterverkehr. Dies könnte zu einem verstärkten Güterverkehr auf der Schiene führen.

Sicherlich gibt es bei diesem Konzept erst einmal Verladestellen, die nicht mehr von der DB Cargo bedient werden. Mehrere Firmen haben diesbezüglich mit ihrer Logistik
Probleme bekommen. Leider gehört auch der Güterbahnhof in der Göppinger Jahnstrasse zu jener Güterverkehrsstelle, die nicht mehr durch die DB bedient wird. Die Infrastruktur bleibt aber Eigentum der DB Netz AG und somit erhalten. Somit könnte eine nichtbundeseigene Eisenbahngesellschaft (NE-Bahn) diese Infrastruktur wieder aktivieren und zukünftigen Güterverkehr auf der Schiene durchführen. Voraussetzung ist aber, dass auch kommunalpolitisch erkannt wird, dass diese Grundstücke deshalb nicht für andere “städtebauliche Perspektiven” kurzsichtig umgeplant, aufgekauft und umgewidmet werden dürfen!

Viele Güterverkehrsstellen, welche die DB Caro abgekündigt hatte werden bereits von anderen Privatbahnen bedient. Im näheren Umkreis ist dies z. B. der Güterbahnhof Schorndorf, der durch die Württembergische Eisenbahngesellschaft (WEG) angefahren wird. Der Haupverlader ist dort die Firma Bauknecht. Die Güterverkehrsstelle Amstetten wird zukünftig ebenfalls von der WEG bedient. Der bereits bestehende Containerzug der WEG von Ulm nach Mannheim übernimmt in Amstetten die Wagen der Heidelberger Druckmaschinen AG um sie ins Hauptwerk nach Wiesloch bei Heidelberg zu befördern.

Eine interessante Perspektive gibt es in Geislingen (Steige) auf dem Reststück der Tälesbahn, die als Anschlussbahn zur WMF und einem Stahlhandelsunternehmen betrieben wurde. Dieses Anschlussgleis wurde ebenfalls durch die DB gekündigt. Dank der zu den Ulmer Eisenbahnfreunden gehörende Initiativgruppe Tälesbahn konnte dieses Anschlussgleis gerettet werden. Auch hier werden in der Zukunft wieder Güterwagen durch eine NE- Bahn gefördert. Ein Betriebskonzept wird z. Zt. erarbeitet. Man geht von einem Jahresaufkommen von ca. 500 Waggons aus, die hauptsächlich die WMF zum Ziel haben.

Eine weitere Möglichkeit, wie es durch MORA C zu einem zukünftigen Güterverkehr kommen könnte, ist das Frachtzentrum Wackler in Holzheim. Wenn die speditiven Rahmenbedingungen dieses Verladers mit dem Schienentransporteur übereinstimmen, könnten auch hier täglich Containerzüge umweltfreundlich Güter über die Voralbbahn von einer NE-Bahn von Frachtzentrum zu Frachtzentrum befördert werden.

In Baden-Württemberg werden u.a. bereits folgende Kooperationen zwischen DB Cargo und NE-Bahnen durchgeführt: Die Albtalverkehrsgesellschaft (AVG) übernimmt die Güterverkehrsstelle Ettlingen. Die Hohenzollerische Landesbahn (HzL) übernimmt Güterverkehrsstellen im Bereich Reutlingen/ Tübingen.

Es stellt sich nun die Frage, weshalb gerade NE-Bahnen ins Geschäft einsteigen, das für die DB Cargo nicht mehr rentabel zu sein scheint? Die Kosten des Güterverkehres auf der Schiene verursacht hauptsächlich der Rangierbetrieb mit Einzelwagen, die in sogenannten Knoten zu Güterzügen zusammengesetzt werden. Diese Güterzüge werden dann im korrespondierenden Empfangsknoten wieder auseinanderrangiert und die Einzelwagen den Kunden zugestellt. Das MORA C Konzept trennt nun verstärkt die Abholung und Zustellung der Einzelwagen und den Fernlauf des Güterzuges zwischen den Knoten. Deshalb wird der Nahbereich, also die eigentliche Bedienung entweder aufgegeben, oder im optimalen Fall einer NE-Bahn übergeben, die als “kleinere Einheit” eine kostengünstigere Struktur aufweist und die Bedienung des Nahbereiches durchaus kostendeckend tätigen kann. Das MORA C Konzept könnte also durchaus dazu beitragen, mehr Güterverkehr auf die Schiene zu bringen, wenn in der Zukunft eine optimale Zusammenarbeit zwischen den NE-Bahnen im Nahbereich und der DB-Cargo im Fernbereich stattfinden wird. (bl)


Umladen von Container auf eine NE-Bahn.
Demonstriert auf der HO-Modulanlage Voralbbahn 2000

[weiter mit Teil 2/4]

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