Die Voralbbahn

Die Voralbbahn

Göppingen - Bad Boll

Göppingen - Bad Boll

 

 Botanische Erhebung 2002

 

Ergebnis der botanischen Erhebung entlang der Bahnstrecke Boll - Göppingen am 18. Mai und 21. Sept. 2002

Entlang der 1997 stillgelegten Bahnstrecke Göppingen - Boll hat sich aufgrund der besonderen Standortbedingungen beiderseits des Bahndammes ein Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten entwickelt. Hier leben zum Teil vom Aussterben bedrohte Arten die anderorts keine Überlebensmöglichkeit mehr haben. In den beigehefteten Erhebungsbögen finden sich, wie von uns schon zuvor vermutet, keine seltenen Orchideen. Um so erstaunlicher ist die große Zahl an Ackerwildkräutern und Obstgehölzen, die gefunden wurden. Vom Biotoptyp her handelt es sich im Fall des Boller-Bahn-Gebiets um ein Technotop, also der Verbindung von Natur und Technik und ist somit wie viele Biotope unserer Kulturlandschaft „Natur aus zweiter Hand". Da sich die schützenswerten Bereiche bereits während des Bahnbetriebs entwickelten und sich somit auch größtenteils außerhalb des Gleisbereichs befinden, dürfte eine Wiederinbetriebnahme als Schienenweg nur geringe Auswirkungen haben. Zudem stellt der Gleiskörper bei einem Halbstunden-Takt für Insekten und Tiere kein unüberwindbares Hindernis, wie z.B. eine Strasse, dar. Bei einer Länge von 12 km darf man sicherlich vom längsten Biotop des Landkreises sprechen und es stellt somit einen wichtigen Beitrag zur Biotop Vernetzung dar. Außer einigen Straßenquerungen und dem neuen Bahnhofsbereich in Heiningen besteht ein durchgängiger Grünzug vom Göppinger Stadtgebiet ins Albvorland bei Boll. Seit dem Bau im Jahre 1926 ist entlang der Bahnstrecke ein erstaunlich buntes Mosaik von unterschiedlichen Lebensräumen entstanden. So sind im Bereich der Bahnhofsareale Boll, Dürnau und Holzheim interessante Trockenrasenflächen anzutreffen.

In den zahlreichen alten Obstbäumen die zwischen Dürnau und Boll, sowie in Eschenbach und im Bodenfeld am Schienenstrang stehen, haben viele Vögel und Insekten ihre Kinderstube. Soweit es sich nicht um Wildlinge handelt, wurden diese meist von Bahnmitarbeiter gepflanzt und genutzt. Heute werden die Obstbäume nicht mehr gepflegt und langsam von Schlingpflanzen und anderen Gehölzen überwuchert und sterben ab. Ein Erhalt der noch vorhandenen Obstbäume durch Pflege und das Nachpflanzen abgegangener Bäume durch hochstämmige alte Sorten wäre wünschenswert.

Den größten Teil der schützenswerten Fläche nehmen Hecken und Gehölzstreifen ein, die sich auch entlang der die Boiler-Bahn unterquerenden Bachläufe in die Fläche fortsetzen.

Bis zum heutigen Zeitpunkt sind leider nur einige dieser Heckenstreifen als Biotope nach § 24a erfasst. Einig dieser hauptsächlich als Schutz vor Schneeverwehungen gepflanzten Heckenstreifen müssten in nächster Zeit, wie früher üblich, verjüngt werden. Die zum selben Zweck gepflanzten Fichtenstreifen sollten ebenfalls durch standorttypische Gehölze ersetzt werden. Auf den Flächen, die früher zur Versorgung der so genannten Bahnwärtergeißen und Stallhasen von den Pächter regelmäßig gemäht wurden, hat sich heute das Groß der Ackerwildkräuter angesiedelt. Ackerwildkräuter, von vielen heute noch als Unkraut angesehen, kommen hier noch vor, wo sie sonst an ihren angestammten Plätzen, den Weg- und Ackerrändern, verschwunden sind. Allerdings wäre zum Erhalt eine einmalige Mahd im Jahr erforderlich. Das Schotterbett der Gleise und die zahlreichen kleinen Kunstbauten bieten zahlreichen Insekten und Reptilien Unterschlupf und Versteckmöglichkeiten.

Während der nunmehr 5 Jahren seit der Stilllegung, wurde der Gleiskörper, also Schienen- und Schwellenbereich, sowie das Lichtraumprofil vom Förderverein „Ein neuer Zug im Kreis e. V.", bis auf ein kurzes Stück im Bereich des Schlater Bahnhofs, ehrenamtlich von Bewuchs freigehalten. Der eigentliche Biotopbereich zwischen Schotterbett und landwirtschaftlich- oder privat genutzter Fläche wurde sich selbst überlassen. Da es sich im Fall der Bahnstrecke um ein von Menschen geschaffenes Biotop handelt, ist zu dessen Erhalt auch der behutsame pflegerische Einsatz des Menschen notwendig. Momentan breiten sich an vielen Stellen Brombeerhecken oder Eschen-Monokulturen aus und unterdrücken jeglichen anderen Bewuchs, zerstören den Gleisunterbau und machen auch optisch einen schlechten Eindruck. ...

[Fortsetzung weiter zu Teil 2 ...]

Chronologie

 

 

 

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